ALLGEMEINES ÜBER DIE ERSTEN KLOSTERNIEDERLASSUNGEN
Die ersten Zeugnisse über die Insel S.Elena gehen auf das Jahr 1060 zurück. Es handelt sich um eine Urkunde des Notars Benedetto Mallipedo für eine Zahlung, die von den Ordensgeistlichen von S.Elena an die Ordensgeistlichen von S.Michele für den Erwerb eines Hauses in Klosternähe getätigt wurde. Ein weiteres Dokument, welches mit 4. Februar 1176 datiert ist, bestätigt das Bestehen eines Klosters und eines Hospizes auf der Insel für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land.
Aus einer aufmerksamen Analyse des ältesten kartographischen Dokuments Venedigs - die Karte aus dem Marcianer Manuskript der "Chronologia Magna" des Fra' Paolino aus Venedig aus dem Jahr 1346 ? geht unmissverständlich hervor, dass es auf S. Elena eine religiöse Niederlassung gab. Diese gehörte bis 1407 den Augustiner Brüdern, als die Bulle von Papst Gregor XII. diese für den Benediktinerorden des Monte Oliveto bestimmte (Abb.1, Fotodokumentation). Auf den historischen Karten des De'Barbari 1500, Bordone 1534 und Merian ca. 1635, ist klar die Niederlassung des Klosters auf der Insel sichtbar.
Laut der Annahme von Wladimiro Dorigo waren die Gebäude zusammen mit den anderen religiösen Niederlassungen aus dem Mittelalter so ausgerichtet, dass die Annahme der römischen Aufteilung von Grundstücken in Zenturien auch in der Lagune bestätigt werden konnte. Seit 1684 wurden ein Teil des Klosters und des angrenzenden Grundes mit Zustimmung der Mönche zur Errichtung von 34 Backöfen für S¨ßwaren zur Versorgung der venezianischen Seeflotte verwendet. Der Sockel von einem Teil dieser üfen wurde vor kurzem entdeckt und anlässlich der Restaurierung eines der Klostertrakte dokumentiert. Wahrscheinlich hat man den Standort aufgrund der Nähe der Insel zum Arsenal ausgewählt. Diese Produktionstätigkeit sorgte für den Wohlstand des Klosters bis zum Untergang der Republik Venedig. Im Jahr 1806 folgten mit der Machtergreifung Napoleons Kirche und Kloster dem Schicksal vieler anderer Kultstätten, welche in staatliches Eigentum übergeführt und säkularisiert bzw. anderen Zwecken zugeführt wurden. Das Kloster wurde zum Lager der Kriegsmarine. Die Kirche, die durch Hängeböden in drei Geschosse unterteilt wurde, wurde als Getreidespeicher und Mühle für das Mehl verwendet, welches für die öfen des XVII. Jahrhunderts verwendet wurde. In der Folge diente die Klosteranlage den Admirälen der Piazza, die sich in Venedig abwechselten, als Erholungsort. Im Jahr 1860 zirka pachtete Enrico di Borbone, Graf von Chambord, das Kloster, um es demselben Zweck zuzuführen. Im Zeitraum zwischen 1866 und 1872 verwendete die Regia Marina die Insel als Lager, bis die Insel vom Staatseigentum in den Besitz der Stadt Venedig abgetreten wurde.
DER INDUSTRIELLE AUSBAU
Die Stadtgemeinde nahm den Ausbau der Insel durch Trockenlegung der Salzwiesen zum Becken von S.Marco hin vor. Diese wurde ab 1881 an die Venezianische Gesellschaft für öffentliches Bauwesen verpachtet, welche die Errichtung einer Schiffswerft und einer Mechanikerwerkstatt in Planung hatte, in denen mindestens 500 Arbeiter beschäftigt werden konnten. Im Jahr 1886 kaufte die Venezianische Gesellschaft von der Stadtgemeinde Venedig die Insel S.Elena, einschließlich der Trockenlegungen und der bestehenden Gebäude. Verboten war allerdings der Abriss der ehemaligen Kirche und des dazugehörigen Kreuzganges (Abb.6).
Im folgenden Jahr wurden zwei große Hallen aus Mauerwerk errichtet, zahlreiche überdachungen sowie andere Hallen aus Holz, außerdem zwei Schornsteine, die in der Mitte der Werkstätten emporragten.
Die Gründung der Venezianischen Gesellschaft ging auf das Jahr 1872 zurück. Vor dem Werk in Venedig hatte man unter der Führung von Stefano Breda die Mechanikwerkstätten in Padua, Brescia und Terni errichtet; darüber hinaus die Betriebsführung von 350 km Eisenbahn (Guidovie Venete). Das neue Werk in Venedig hatte die Aufgabe, Dampfschiffe, Eisenbahnwagone, Brücken usw. zu errichten. Dies bedeutete im Jahr 1887 Arbeitsplätze für 880 Personen. Als die Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Konkurs ging, wurde die Tätigkeit der Werkstätten eingestellt. Das angrenzende Areal hatte zwischen 1881 und 1885 beachtliche Veränderungen erfahren: es wurde der Sumpf zwischen der Insel und den napoleonischen Gärten trockengelegt, man benutzte diesen Bereich als übungsplatz anstelle von jenem von S.Maria Maggiore. Auf diesem trockengelegten Areal begannen ab 1925 IACP und die Congregazione della Carità mit den Arbeiten zur Realisierung des neuen Stadtviertels von S.Elena (Abb.10).
Mit der Errichtung des kommunalen Stadions und der Marineschule "Morosini" wurde der Urbanisierungsprozess der Insel S.Elena abgeschlossen (Abb.11). Diese behielt dieselben morphologischen Eigenschaften bis zur Naturkatastrophe bei, die das Gebiet der Schiffswerften "Celli" im Nord-Osten der Insel zerstörte, die bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. durch die Werkstätten der Società Veneta per Imprese e Costruzioni Pubbliche belegt worden sind.